Das Buch

Ich such das Buch. Es war ein Fluch. Ich schmeckte den Geruch. Staub auf den Seiten sollten mich geleiten. Auf den Worten wollte ich reiten. Trocken war mein Mund. Meine Seele war wund. Da war der Geruch alter Bücher. Wo sind meine Taschentücher? Es reizte mich zum Nießen. Die Geschichte will sich erschließen. Tauchen wir doch ein. Lass es doch sein. Verstehe doch ein Wort! Gehe doch fort. Was ist das für eine Hatz? Ich finde keinen Satz. Ich fange an zu wanken, bei all diesen Gednaken, die sich um die Worte ranken. Die Regale schwanken. Es sind so viele Bücher geschrieben, doch was ist davon geblieben.

Es ist das Gesuch. Es ist dieses eine Buch. Wie in einer Bibliothek, am See an einem Steg versande ich hier. Oder ist es nicht doch das Meer und ich stehe nur am Pier? Werde ich ersaufen? Habe ich mich verlaufen? Was wir auch brauchen um in die Geschichte einzutauchen, dem Buch ein Leben einzuhauchen, wir tauchen tief hinab. Doch noch stehen wir gänzlich fernab und schauen nur von oben herab. Als ich den Lehrer fragte, ob ihm das gefiele, er harsch zu mir sagte, dass es ihm missfiele. Dreizehn oder vierzehn Jahr alt stellte ich das Schreiben ein, da der Lehrer meinte es soll nicht sein. Es blieb der Wunsch nach einem Buch im Hirn haftend wie ein vergessener Geruch. Der Lehrer hat es vernichtet, hatte schnell gerichtet.

Das ist pubertäres Geschreibsel nur, das hat alles keine Kultur. Die Lehrer studierten Germanistik. Die Lehrer studierten die Linguistik. Im Studium alle großen Künstler wohl studiert, wissen Lehrer genau was sich gebührt. Doch nur von mittelmässiger Intelligenz begabt, blieb der Hochschuldienst versagt. Diese Lehrer sind die kleinen Pädagogen, die Talente schnell verbogen. So nehmen die Dinge ihren Lauf, das kleine Kind es schaut hinauf. Der Lehrer sagt, das ist Mist. Auch wenn das Kind klagt, es glaubt, dass es so ist. So fördern diese Mittelmäßigen nur das Mittelmaß, zurück blieb nur ein Hass.

Das Kind fühlte sich ganz verlassen und ganz klein, das Buch sollte nie geschrieben sein. Das Leben will nicht gelingen, die Worte verklingen. Es kamen keine Antworten auf die Fragen, es blieb eine leises wehmütiges Klagen. Da war diese gefrässige Neugierde wie eine ungestillte Begierde bei diesem Kind, was sich aber nirgendwo und auch nicht irgendwie geschwind Erfüllung fand und letztlich einfach verschwand. Das Leid, welches sich da ereilt, hat sich in den Gedanken eingebrannt. Mögen die Lehrer in der Zerstörung erzogen haben, haben sie das Land verbrannt. Gebannt starrte ich zurück auf das zerstörte Glück.

Es war wie in einem Traum der Katholik in diesem Raum. Alle Katholiken lügen und die Protestanten betrügen. Es reiten die mongolischen Horden und die Islamisten morden. Der Kapitalist trachtet nach dem Geld, vernichtet nur die Welt. Das lernst du in der Schule nicht, sei lieb mein Kind, lächle ins Gesicht. Und war ein Lehrer Nationalsozialist, dann hat es das nicht gegeben, denn nach Fünfundvierzig war den Nazis vergeben, das Morden hat nicht existiert. Niemand hat da mitgemacht, niemand war daran Schuld, wer sich bewegt, verliert. Lass es doch auf sich beruhen, das hat mit uns nichts zu tun. Schlag nicht solche Wellen, hör auf Fragen zu stellen.

Ein Großvater war Kommunist. Der andere war Nationalsozialist. Wir hatten genug Not und beide sind sie tot. Die Großmütter überlebten und zornig erbebten die Stimmen, dass man das nicht will. Sei doch endlich still. Wir sind nicht so wie die! Wir sind nicht so wie sie! Ich denk an Heinrich Heine und jedem nur das Seine. Bei alle meiner Geduld nie ist jemand Schuld. Ich will in Scham versinken und beginne schwarze Milch der Frühe zu trinken.

Das will doch keiner lesen, das ist die Geschichte gewesen. Das hat mit uns doch nichts zu tun. Jetzt lass das doch mal ruhen. Nein, so wie ihr die Seelen von Kindern zerstört, sei es einfach erzählt, was ihr nicht hört. Ihr hört nicht zu und seid einfach taub. Ich weiß das sicher mit Verlaub. Diese Zeilen wachsen hier allein, angesichts von diesem Sein. Es war ein Fluch und ist es noch. Wir tragen nicht das Joch. Wir drücken uns davor. Schliessen Augen zu und auch das Ohr.

1979 schrieb ich ein Gedicht. Schwarz weiß schwarz war das Gesicht. Fahlgrau sollte ich erbleichen angesichts der vielen Leichen. Warum lassen diese Horden einfach nicht das morden? Was auch immer da an Worten war die die Würde des Menschen ist unantastbar, so scheint es alle längst vergessen und sie sind auf Mord und Hass versessen. Kein Wort erreicht die Konservative oder die sogenannte Alternative, sie können es nicht lassen einfach nur zu hassen. Das Kind in mir laut schreit, warum seht ihr nicht das Leid. Verflucht sei diese Welt im Hass und Jagd nach Geld. In einer Tour verdreschen sie die Armen und das ist weit und breit kein Erbarmen. Ist Geld die Faszination, ist Geld nur Imagination. Das Zahlenwerk hat keine Physik, Geld ist menschliche Mystik. Diese Kinderseele sich beschwerte, ob jener anstandslosen Werte.

Es verschwand alles im Trüben. Nichts ist geblieben. In diese Welt hineingeboren und letztlich nur total verloren. War es denn meine Schuld? Der Lehrer stand am Pult. Das Kind sitzt hinten drin und schaut vorn zum Lehrer hin. Den Schulnoten verpflichtet, glaubt es brav, was er unterrichtet. Du kannst eine Linie in unendlich viele Punkte teilen. So schnell kann dich die Unendlichkeit ereilen. Doch die Fläche kann unendlich viele Linien haben. Die quadratische Unendlichkeit ist erhaben. Aber was ist dann mit dem Raum, der unendlich viele Flächen hat? Die Unendlichkeit ist lange noch nicht satt. Was war vor der Zeit und ist der Raum auch weit, so suchen wir die Endlichkeit. Jedes Leben scheint plötzlich klein in der Größe dieses Sein. Die staatlichen Grenzen auf dem Planet sind plötzlich im Nichts verweht. Aber an den Grenzen dann zusammen, erschossen sie sich zum Verdammen. Vom Mensch zum Bürger zum Vaterland ist es Migration ohne Verstand eines territorialen Affen.

Der Bürger als Kind zum Erwachsenen hin hat gefälligst das zu raffen. Wehe du hast es gewagt und das Ganze hinterfragt. Niemand spricht die gleiche Sprache und spricht von der gleichen Sache. In dem Geschrei der nationalen Staaten sind es die Dummen, die in ihrer Gewissheit und Ego nie verstummen. Sie haben es von mittelmässigen Lehrern so bekommen, kein Gedanke oder keine Idee wird dahin verkommen, dass sie gar nicht denken in Traditionen sich versenken. Gelenkt in ihrer Sozialisation verbreitet sich die Frustration. Das Kind nimmt von dem Lehrer auf, Geschichten nehmen ihren Lauf. Staub auf den Worten, die mich reiten. Alle Bücher sind nur Seiten. War die Seele wund und trocken war mein Mund. Am Meer stehe ich nur am Steg, die Gedanken suchen sich den Weg. Verstaubt, vertrocknet und ungelesen ist die ganze Bibliothek. Die Worte wandeln in der Zeit, sie tragen nicht soweit. Die Monaden werden zu Blockaden einzeln und voneinander ungeteilt im Begreifen in Funktion, Typ und Wert geteilt.