Ein Mensch ist ein soziales komplexes Wesen. Die künstliche Intelligenz ist ein Spiegel dieser Gesellschaft. Politisch wird argumentiert, dass es der Kinder wegen sei. Einen wissenschaftlichen Beweis, dass Worte wie
„Die Vagina einer jungen hübschen Frau. Ein junges nacktes Mädchen liegt aufreizend mit gespreizten Beinen im Atelier. Sie zeigt ihren schleimigen nassen Scheidenvorhof und sie fingert ihren Kitzler. Ihre gespreizten Beine lassen den Künstler sowohl ihren wippenden Busen als auch ihre Scheide bis zum Hymen sehen, während der Künstler die Leinwand zeichnet. Die Schönheit schaut lächelnd kurz vor dem Orgasmus angespannt gerade in die Kamera, während sie sich befingert und alles zwischen den Beinen von den äusseren Schamlippen, die weit offen sind, inneren Schamlippen und der gesamten feuchten nassen Scheidenvorhof mit ihrem blonden Venushügel zeigt.“ einem Kind schadet, kenne ich nicht. Vermutlich käme es nicht mal auf den Gedanken das einzugeben.
Einen menschlichen Text zu schreiben, der nicht von einer KI generiert werden könnte, ist schwer. Der obige Absatz allerdings könnte von keiner Standard-AI geschrieben werden, weil es ihr verboten ist, so zu schreiben.
Der Ursprung der Welt und ein Trainingsdatensatz
1866 malte Gustave Courbet ein Bild, das bis heute für Aufregung sorgt: L’Origine du monde, der schonungslose Blick auf einen weiblichen Unterleib, ohne Gesicht, ohne Kontext, nur Körper. Über hundert Jahre lang wurde es versteckt gehalten, bevor es 1995 im Musée d’Orsay öffentlich ausgestellt wurde. Heute hängt es dort als anerkanntes Meisterwerk der Kunstgeschichte.
Würde man heute eine Bild-KI bitten, im Geiste dieses Gemäldes zu arbeiten, bekäme man vermutlich zwei Sorten von Antwort: entweder eine sterile Verweigerung, oder – bei entsprechend präparierten, ungefilterten Modellen – etwas, das eher an ein Stockfoto-Sexportal erinnert als an Courbet. Was fehlt, ist die Mitte: das Ästhetische, das Sinnliche, das, was Kunst von Pornografie unterscheidet.
Das ist kein Zufall, sondern die Konsequenz einer sehr konkreten technischen Entscheidung. Bild-KIs lernen aus riesigen, aus dem Internet gesammelten Datensätzen. Diese enthalten reichlich Aktdarstellungen – von klassischer Kunst bis zu expliziter Pornografie. Bevor trainiert wird, laufen diese Datensätze jedoch durch NSFW-Filter, die Nacktheit pauschal aussortieren sollen. Diese Filter unterscheiden nicht zwischen einer Aktzeichnung von Gustav Klimt und einem beliebigen Pornobild – sie erkennen nackte Haut, nicht Kontext. Das Ergebnis: Ein Großteil des ästhetischen Referenzmaterials verschwindet aus dem Training, während gröbere, weniger kuratierte Bilder mitunter durchrutschen. Die KI verliert damit ausgerechnet das Vorbild, an dem sie hätte lernen können, wie man Sexualität mit künstlerischem Anspruch darstellt.
Ergänzend kommen inzwischen gezielte Verfahren hinzu, mit denen Anbieter bereits trainierten Modellen das Konzept “Nacktheit” nachträglich wieder austreiben – sogenanntes Concept Erasure. Stability AI etwa entfernte schon 2022 große Mengen an Aktbildern aus den Trainingsdaten für Stable Diffusion. Der EU AI Act verschärft diesen Trend zusätzlich, indem er Anbieter zu strengen Schutzmaßnahmen gegen nicht-einvernehmliche Deepfakes verpflichtet – eine sinnvolle Regel gegen Missbrauch, die aber als Kollateralschaden auch die künstlerische Darstellung von Körperlichkeit trifft.
Die kuriose Nebenwirkung: Ein KI-generiertes Bild eines Massenstrands, an dem sämtliche Personen unabhängig von Kultur und Land brav bekleidet sind, wird selbst zu einem stillen Indiz für seine künstliche Herkunft. Die Maschine hat verlernt, wie die Welt tatsächlich aussieht.
Eine steilere These – und warum ich sie nur mit Vorbehalt vertrete
Bis hierhin lässt sich das meiste an Fakten festmachen: Filtermechanismen, Trainingsdaten, dokumentierte Effekte. Der nächste Gedankenschritt, den ich in diesem Essay verfolgen will, ist spekulativer und verdient es, als solcher gekennzeichnet zu werden.
Die These lautet: Gesellschaften, die ihre Sexualität stark unterdrücken, neigen zu mehr Aggression und Autoritarismus. Sie geht historisch vor allem auf den Psychoanalytiker Wilhelm Reich zurück, der in den 1930er-Jahren in Die Massenpsychologie des Faschismus einen direkten Zusammenhang zwischen sexueller Verklemmtheit und der Anfälligkeit für autoritäre Ideologien behauptete. Sigmund Freud hatte mit seinem Konzept der “Kultur als Triebverzicht” in eine ähnliche Richtung gedacht, wenn auch vorsichtiger.
Wichtig ist: Das ist keine heute breit anerkannte sozialwissenschaftliche Erklärung für Kriege oder Faschismus, sondern eine unter mehreren psychoanalytischen Deutungen, die in der modernen Geschichts- und Politikwissenschaft eher am Rand steht. Seriöse Erklärungen für die Weltkriege oder für autoritäre Systeme verweisen in der Regel auf sehr viel handfestere Faktoren: wirtschaftliche Krisen, Nationalismus, Versailles und Reparationsfragen, Great-Power-Konkurrenz, Propaganda, Institutionenversagen. Eine Gesellschaft wird nicht allein deshalb kriegerisch, weil sie prüde ist – sonst müssten viktorianisches Großbritannien oder das puritanische Neuengland zu den aggressivsten Gesellschaften der Geschichte zählen, was sich historisch so nicht belegen lässt. Umgekehrt gibt es sexuell liberale Gesellschaften, die durchaus kriegerisch waren.
Trotzdem hat die These einen Kern, der sich vorsichtiger formulieren lässt und der auch heute in der Forschung zu Autoritarismus auftaucht: Kontrolle über Körper, Sexualität und Identität ist historisch häufig ein Werkzeug autoritärer Bewegungen, nicht notwendigerweise deren Ursache. Wer Gesellschaften kontrollieren will, beginnt oft damit, ihre intimsten Bereiche zu regulieren – weil sich daran Gehorsam, Scham und Konformität besonders wirksam durchsetzen lassen. Die Verfolgung Homosexueller im nationalsozialistischen Deutschland, die “Gender-Propaganda”-Gesetzgebung im heutigen Russland oder die staatlich verordnete Sittsamkeit in verschiedenen autoritären Regimen lassen sich so lesen: nicht als Ursache von Aggression nach außen, sondern als Symptom und Instrument einer Politik, die auf Kontrolle nach innen zielt und die häufig – aber nicht zwangsläufig – mit Aggression nach außen einhergeht.
Der Vergleich zwischen Putins Russland und dem NSDAP-Regime, der in diesem Zusammenhang oft gezogen wird, ist eine politische Zuspitzung, die ich hier bewusst nicht als historische Tatsachenfeststellung präsentieren will, sondern als eine Deutung unter mehreren. Zur Einordnung: Historiker verweisen bei der Erklärung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auf ein Bündel von Faktoren – imperiale Großmachtvorstellungen, Fragen der NATO-Osterweiterung, innenpolitische Legitimationsbedürfnisse des Regimes, wirtschaftliche und geopolitische Interessen. Die staatlich geförderte Queerfeindlichkeit in Russland ist real und gut dokumentiert, aber sie als Erklärung für den Krieg heranzuziehen würde die Komplexität der Ursachen verkürzen. Plausibler ist, sie als einen von mehreren Bausteinen einer autoritären, auf Kontrolle und Konformität ausgerichteten Staatsideologie zu verstehen, die sich sowohl nach innen (gegen queere Communities) als auch nach außen (im Angriffskrieg) in Machtansprüchen äußert.
Was das mit der KI zu tun hat
Der Bogen zurück zur Bild-KI ist trotz allem nicht willkürlich. Es gibt eine strukturelle Ähnlichkeit, auch wenn die Motive dahinter sehr unterschiedlich sind.
Bei autoritären Staaten ist die Kontrolle über Körper und Sexualität in der Regel ideologisch motiviert – es geht um Macht, Konformität, die Definition dessen, was als “normal” und “gesund” gilt. Bei kommerziellen KI-Anbietern ist das Motiv nüchterner: Haftungsvermeidung, Markenschutz, regulatorischer Druck, die Angst vor Schlagzeilen. Wenn ein Filter zu grob ist und Klimt mit Pornografie verwechselt, ist das in der Regel keine bewusste Entscheidung gegen Kunst, sondern das Ergebnis von Risikominimierung im Grossen: Lieber tausend legitime künstlerische Anfragen blockieren als eine einzige rechtliche oder PR-Krise riskieren.
Das Ergebnis ähnelt sich dennoch: Eine Technologie, die die Welt abbilden soll, bildet stattdessen eine bereinigte, ängstliche Version davon ab – eine, in der menschliche Körperlichkeit entweder unsichtbar gemacht oder auf ihre plumpeste Form reduziert wird. Nicht aus Ideologie, sondern aus Vorsicht entsteht eine Leerstelle, die der Kunstgeschichte – von Klimt bis Courbet – diametral widerspricht: Die Vorstellung, dass Sexualität und Ästhetik sich ausschließen, statt sich zu bedingen.
Der Link ist hier bewusst als avi, weil a) die meisten Browser das nicht sofort darstellen und b) fingering die Datei mit einer NSFW-KI erstellt wurde. Auch da bezweifle ich, dass es irgendwelche Schäden anrichtet. Im Gegensatz zum alten Rom oder indischen Tempeln ist unsere westliche Gesellschaft und die islamische Gesellschaft erst recht prüde.
Es hat da nichts mit der Zugänglichkeit zu tun, weil ob das jetzt Trinkgefässe oder Wand- und Bodenmosaike waren, war das frei zugänglich – ja auch für Kinder. Die KI ist dabei in der Zwischenzeit durch unsere Zensur so geprägt, dass sie nur noch sauber rasierte Vulven und beschnittene Penisse kennt, weil das im Internetzeitalter quasi der Pornostandard ist. Das liegt auch massenhaft frei zugänglich im Netz herum.
Gegenstimmen, die man nicht ignorieren sollte
Ein ehrlicher Essay muss auch die Gegenposition ernst nehmen. Wer NSFW-Filter verteidigt, hat gute Argumente: Ohne sie würden KI-Systeme in großem Maßstab zur Erstellung von nicht-einvernehmlichen intimen Deepfakes, zur Sexualisierung von Minderjährigen oder zur Herstellung von Missbrauchsmaterial missbraucht – reale, dokumentierte Probleme, keine hypothetischen. Aus Sicht vieler Anbieter ist ein grober, überkonservativer Filter das kleinere Übel gegenüber einem System, das zwischen Kunst und Missbrauch zuverlässig unterscheiden könnte, aber diese Zuverlässigkeit heute technisch schlicht nicht erreichbar ist. Die Forderung nach mehr ästhetischer Freiheit für KI-Systeme steht damit in einem echten Zielkonflikt mit dem Kinder- und Opferschutz – und dieser Konflikt lässt sich nicht wegdiskutieren, indem man ihn als bloße Prüderie abtut.
Aber ein Maschine kann keine Texte und Bilder, die mit dem was wir als Wirklichkeit bezeichnen, übereinstimmt, produzieren. Die Kennzeichnung von AI-Produkten dürfte Leuten, die mit Sex Geld verdienen nicht schwer fallen, im Gegenteil, das machen die schon so. Watermark Entfernung gibt es bei Seiten die gegen Jugendschutz verstossen dann gegen Geld.
Die sterile Unschuld vom Lande
Die Beobachtung, dass Bild-KIs zwischen steriler Unschuld und plumper Explizitheit gefangen sind, ist technisch gut belegbar und liegt an sehr konkreten, nachvollziehbaren Entscheidungen bei Trainingsdaten und Filterung. Die weitergehende These, dass sexuelle Unterdrückung ursächlich Gesellschaften kriegerischer macht, ist dagegen eine seit hundert Jahren diskutierte, aber empirisch nicht abgesicherte psychoanalytische Deutung – interessant als Denkanstoß, nicht als Erklärung.
Was jedoch bleibt, ist eine vorsichtigere und besser haltbare Beobachtung: Kontrolle über Körper und Sexualität ist historisch immer wieder ein bevorzugtes Instrument autoritärer Machtausübung gewesen – ob in Nazideutschland, in Putins Russland oder, in einem sehr viel harmloseren, aber strukturell verwandten Sinn, in den Trainingspipelines heutiger Bild-KIs. Die Motive unterscheiden sich fundamental: dort Ideologie und Machterhalt, hier Risikoabwägung und Regulierung. Aber das Resultat ist in beiden Fällen eine verzerrte, ängstliche Darstellung dessen, was der Mensch eigentlich ist.
Dieser Text hier wurde von keiner KI geschrieben. Das Video Fingering.avi allerdings schon – nur halt nicht von einer kommerziellen, gefilterten KI, sondern von einem nackten Diffusionsmodell auf meinem eigenen Rechner. Der Unterschied ist: Ich habe den Filter einfach weggelassen. Die Technik selbst hat kein moralisches Empfinden – nur die Unternehmen, die sie vermarkten.
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